Fire Weather Index: der kanadische Feuerwetter-Index erklärt
Der Fire Weather Index (FWI) ist ein dimensionsloser Index des kanadischen Feuerwetter-Systems (CFFDRS). Aus Temperatur, Luftfeuchte, Wind und Niederschlag berechnet er drei Feuchtecodes (FFMC, DMC, DC) und daraus zwei Verhaltensindizes (ISI, BUI), die zum Gesamtindex verschmelzen. Er beschreibt, wie leicht ein Feuer zündet und wie intensiv es sich ausbreiten könnte — kein amtliches Warnprodukt.
Wie der FWI aufgebaut ist
Das Canadian Forest Fire Weather Index System rechnet täglich aus vier Messgrößen (Temperatur, relative Feuchte, Windgeschwindigkeit, 24-h-Niederschlag, Bezug 12 Uhr) sechs Kennzahlen:
- FFMC (Fine Fuel Moisture Code): Feuchte des Feinmaterials — Gras, Nadeln, Laub. Gedächtnis rund zwei Drittel eines Tages; steuert die Zündbereitschaft.
- DMC (Duff Moisture Code): Feuchte locker gelagerter organischer Auflagen, Gedächtnis etwa 12 Tage.
- DC (Drought Code): tiefe, verdichtete Auflagen mit rund 52 Tagen Gedächtnis — die Größe mit der längsten Erinnerung an Trockenheit.
- ISI (Initial Spread Index): erwartete Ausbreitungsrate unmittelbar nach der Zündung, aus FFMC und Wind.
- BUI (Build-Up Index): verfügbare Brennstoffmenge aus DMC und DC.
- FWI: der Gesamtindex aus ISI und BUI — ein Maß für die mögliche Feuerintensität.
Der Index kennt keine Vegetation, keine Zündquelle und keinen Menschen. Er sagt, was das Wetter mit trockenem Brennmaterial anstellen würde — nicht, ob es brennt.
Die sechs EFFIS-Klassen
Der europäische Dienst EFFIS/GWIS rechnet den FWI aus der ECMWF-Vorhersage (rund 8 km, Tageswert mit Bezug 12 UTC, bis etwa neun Tage voraus) und teilt ihn in sechs Klassen: Low unter 11,2 · Moderate 11,2–21,3 · High 21,3–38,0 · Very High 38,0–50,0 · Extreme 50,0–70,0 · Very Extreme über 70,0. Die Klassengrenzen der Bausteine sind völlig andere: „Rot" heißt beim Drought Code mehr als 749,4, beim ISI mehr als 26,8 und beim FFMC mehr als 96,0. Eine gemeinsame Legende wäre deshalb eine falsche Aussage in Bildform.
Wichtig für den DACH-Raum: Das System ist für boreale und mediterrane Regime kalibriert. „High" bedeutet in Brandenburg etwas anderes als in Andalusien. Deshalb gehört zum Index immer die Einordnung — das Perzentil des Tageswerts gegenüber einer rund 40-jährigen Reihe für genau diesen Ort. Welche Jahre genau, veröffentlicht EFFIS nicht; die Basisklimatologie ist voraussichtlich ERA5 1980–2018.
So zeigt es buscosun
Die Sicht Gefahrenindex im Brandradar zeigt die GWIS-Fläche in fünf Unteransichten: Index (FWI), Einordnung (Perzentil), Trockenheit (DC), Ausbreitung (ISI) und Zündbereitschaft (FFMC) — jede mit eigener Legende, Einheit, Bezug und ausgesprochener Grenze. DMC und BUI sind bewusst nicht enthalten. Weil der Dienst ein Bild liefert und keine Werte, gibt es keine Punktabfrage und keinen abgeleiteten Zahlenwert; die Legende zeigt die sechs Klassen, mehr wird nicht behauptet.
Die Sicht Trockenheit ergänzt zwei Treiber aus dem DWD-Modell ICON-D2 (2,2 km, stündlich, bis 24 h): den Bodenfeuchteindex SMI in zwei Tiefen (Oberboden bis 9 cm, Wurzelzone bis 81 cm) und die relative Luftfeuchte in 2 m. Der Drought Code ist dabei ausdrücklich keine Bodenfeuchte — er ist ein Feuerwetter-Code. Aktive Detektionen stehen unter aktive Brände; wie sie entstehen, erklärt die Methodik. buscosun gibt keine amtlichen Warnstufen heraus — die stehen in Waldbrandwarnstufen DE/AT/CH.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein FWI von 30?
Nach der EFFIS-Einteilung liegt ein FWI von 30 in der Klasse „High" (21,3–38,0). Ob das für einen Ort in Mitteleuropa ungewöhnlich ist, sagt erst die Perzentil-Einordnung gegenüber der örtlichen Historie — der absolute Wert allein reicht nicht.
Ist der FWI eine amtliche Waldbrandwarnstufe?
Nein. Der FWI ist ein Modellwert aus der ECMWF-Vorhersage. Amtliche Stufen geben in Deutschland der DWD (Waldbrandgefahrenindex) und in der Schweiz Bund und Kantone heraus; buscosun zeigt nur den meteorologischen Kontext und verlinkt die amtlichen Quellen.
Warum gibt es fünf Ansichten statt einer?
Weil die Bausteine unterschiedliche Fragen beantworten: FFMC sagt, wie leicht etwas zündet, ISI, wie schnell es sich ausbreiten würde, DC, wie tief die Trockenheit reicht. Jede Größe hat eigene Klassengrenzen und Einheiten, deshalb hat jede Ansicht eine eigene Legende.
Berücksichtigt der FWI die Vegetation oder die Zündquelle?
Nein. Der Index beschreibt ausschließlich, was das Wetter mit einem standardisierten, trockenen Brennmaterial täte. Baumarten, Bodentyp, Zündquellen oder Löschmöglichkeiten fließen nicht ein — deshalb ist er ein Feuerwetter-Index, kein Brandrisiko-Index.