Thermalanomalien: was ein FIRMS-Hotspot ist — und was nicht
Eine Thermalanomalie ist ein Satellitenpixel, das deutlich heißer strahlt als seine Umgebung. NASA FIRMS verteilt solche Detektionen des VIIRS-Instruments (375 m) binnen Stunden. Ein Hotspot ist kein bestätigter Brand: Stahlwerke, Raffinerien, Gasfackeln und sogar Reflexionen erzeugen dieselbe Signatur. Unbestätigt ist der Normalfall — bestätigt ist ein Ereignis nur mit EFFIS-Kartierung oder EMS-Aktivierung.
Wie der Satellit ein Feuer sieht
Das Instrument VIIRS auf den Satelliten Suomi-NPP, NOAA-20 und NOAA-21 misst im mittleren Infrarot die Strahlung jedes 375-m-Pixels. Weicht ein Pixel stark vom Hintergrund ab, meldet der Algorithmus eine aktive Feuerdetektion mit Koordinate, Aufnahmezeit, Feuerstrahlungsleistung (FRP) in Megawatt, Konfidenz (low/nominal/high), Pixelgeometrie und Tag/Nacht-Kennung. Über FIRMS stehen die Detektionen als Near-Real-Time-Daten (NRT) bereit; die Area-API liefert je Abruf höchstens fünf Tage.
Drei Dinge sagt eine Detektion nicht: Der Punkt ist die Pixelmitte, nicht der Brandherd; FRP ist eine Leistung, aus der sich keine Fläche in Hektar ableiten lässt; und NRT-Detektionen können bei der späteren Standardverarbeitung verschwinden oder umziehen. Kleine oder von Wolken verdeckte Feuer fehlen dem Satelliten systematisch.
Warum drei Viertel der Detektionen keine Brände sind
Im FIRMS-Archiv für den DACH-Raum (März–Oktober 2020–2026, rund 290 000 Zeilen) trugen 73 Prozent aller Detektionen NASAs Kennung „statische Landquelle" — Stahlwerke wie Linz, Duisburg, Salzgitter, Dillingen oder Bremen liefern jeweils tausende Detektionen an über tausend verschiedenen Tagen. Nur ein Viertel sind vermutete Vegetationsbrände. NASAs Maske ist zudem unvollständig: Viele Zellen mit Detektionen an dutzenden Tagen über sechs Jahre sind trotzdem als Vegetationsbrand gelabelt. Und es gibt ein Tagessignal — Zellen mit null Prozent Nachtanteil über Jahre, bei denen Reflexion von Photovoltaik, Glasdächern oder Gewächshäusern wahrscheinlicher ist als Wärme.
So trennt buscosun Anlagen von Bränden
Der Brandradar unter /waldbrand nutzt FIRMS als Primärquelle (GWIS als keyloser Rückfall) und führt eine eigene Standortliste aus dem Archiv: Eine 0,01°-Zelle gilt als persistent, wenn sie in mindestens zwei Kalenderjahren je mindestens fünf verschiedene Detektionstage trägt — 469 Zellen, davon 163 nur über die eigene Zählung, nicht über NASAs Label. Daraus entstehen 218 Standorte in drei Klassen: A mit benannter Anlage aus E-PRTR, Marktstammdatenregister oder BFE im Umkreis von 1,5 km (145), B unbenannt (8) und C Tagessignal (65). Eine Gegenprobe an Jüterbog, das 2022 und 2023 brannte, erreicht die Regel nicht — sie trennt wiederkehrende Vegetationsbrände von Anlagen.
Zur Laufzeit vergleicht buscosun jede neue Detektion mit der Signatur des Standorts: Wächst die Fläche über die Hülle hinaus oder übersteigt die Spitzenleistung das Doppelte des 95. Perzentils, gilt das Ereignis als abweichend und bleibt in der Brandliste — rot markiert. Sonst wandert es aus der Liste in den Reiter „Thermalanomalien". Ein Anlagenname steht nur mit Quelle und Abstand im selben Satz. Eine Detektion ist „bestätigt" ausschließlich mit EFFIS-Kartierung oder Copernicus-EMS-Aktivierung im selben Satz; sonst heißt es „unbestätigt" — der Normalfall. Details in der Methodik und bei aktive Brände.
Häufige Fragen
Ist ein FIRMS-Hotspot ein Waldbrand?
Nicht zwingend. Ein Hotspot ist eine Thermalanomalie — ein Pixel, das heißer strahlt als seine Umgebung. Im DACH-Archiv stammen rund drei Viertel der Detektionen von Industrieanlagen. Ein Brand gilt erst als bestätigt, wenn EFFIS ihn kartiert hat oder Copernicus EMS aktiviert wurde.
Wie genau ist die Position einer Detektion?
Die Koordinate ist die Mitte eines 375-m-Pixels; am Bildrand wird das Pixel deutlich länger. Der tatsächliche Brandherd kann einige hundert Meter entfernt liegen. Deshalb markiert buscosun den Punkt als Pixelmitte und leitet daraus keine Brandfläche ab.
Was bedeutet die Konfidenz low, nominal, high?
Sie beschreibt, wie sicher der Algorithmus ist, dass das Pixel eine echte Anomalie ist — etwa gegenüber Sonnenreflexion oder heißem Boden. Eine hohe Konfidenz sagt nichts darüber, ob die Quelle ein Brand oder eine Anlage ist; das klärt erst der Standortabgleich.
Warum stehen Stahlwerke nicht mehr in der Brandliste?
Weil ihre Zellen über Jahre hinweg an hunderten Tagen Detektionen tragen und damit die Persistenzregel erfüllen. Sie werden als Standort geführt und nur dann als Brand behandelt, wenn Fläche oder Strahlungsleistung deutlich von der gewohnten Signatur abweichen oder eine EMS-Aktivierung vorliegt.