Wie das Brandradar aus Satellitendetektionen Brände macht — und wann es „bestätigt" sagt
Das Brandradar liest die Wärmedetektionen des NASA-Systems FIRMS (VIIRS, 375 m), bündelt sie zu Bränden mit stabiler Kennung, markiert ortsfeste Dauerquellen grau (rund 39 Prozent aller DACH-Detektionen liegen auf Stahlwerken, Raffinerien und Fackeln), gleicht mit den EFFIS-Brandflächen und Copernicus-EMS-Aktivierungen ab und nennt einen Brand nur dann bestätigt, wenn eine dieser Quellen im selben Satz steht. Unbestätigt ist der Normalfall. Für kartierte Brände zeigt es Sentinel-2-Bilder vorher und nachher, auf Wunsch als dNBR-Brandnarbe mit 10 m.
Detektion
Primärquelle ist NASA FIRMS (VIIRS 375 m, Near-Real-Time) über einen Schlüssel-Proxy; fällt FIRMS aus, springt GWIS ein — ohne Strahlungsleistung, was die Karte als „Notbetrieb" ausweist. Eine Detektion ist eine Satellitenmessung, keine Einsatzmeldung: Punkt = Pixelmitte, Rechteck = Pixelgeometrie, Strahlungsleistung (FRP) in Megawatt ist eine Leistung, nie eine Fläche. Überflüge desselben Satelliten innerhalb von 10 Minuten zählen als ein Überflug — die eine Regel dafür im ganzen Projekt.
Ortsfest oder Brand
Der Klassifikator markiert Detektionen grau, wenn sie über Tage ortsfest bleiben und sich nicht ausdehnen — beides zusammen. Im 24-h-Fenster lädt er dazu sieben Tage Vorgeschichte nach, im Hintergrund, nach dem ersten Bild; bis dahin behauptet kein Punkt etwas. Eine von EFFIS kartierte Fläche hebt die Ortsfest-Vermutung auf, macht aber nie etwas grau. Ergänzend gibt es eine statische Liste von 462 Standorten persistenter Wärmequellen aus dem FIRMS-Archiv 2020–2026 (Regel: eine 0,01°-Zelle mit mindestens 5 Detektionstagen in mindestens 2 Kalenderjahren, EFFIS-Jahre zählen nicht), verknüpft mit Anlagenverzeichnissen (E-PRTR, Marktstammdatenregister, BFE) im Umkreis von 1,5 km und in die Klassen A (benannte Anlage), B (Dauerquelle) und C (reines Tagessignal, wahrscheinlich Reflexion) eingeteilt.
Bestätigung
Drei Stufen: bestätigt nur mit EFFIS-Kartierung, Copernicus-EMS-Aktivierung oder amtlicher Warnung im selben Satz; plausibel bei mehreren Überflügen oder Kontext; unbestätigt, wenn nur der Satellit spricht — der Normalfall, kein Versagen. „Erloschen" gibt es nur mit Quelle (EFFIS-Enddatum, EMS geschlossen); eine Überflugslücke ist kein Ende. Für aktive Brände existiert in DE, AT und CH keine offene behördliche Echtzeitquelle; buscosun verlinkt NINA/MoWaS, die Einsatzübersichten Oberösterreich und Burgenland und Alertswiss, wertet sie aber nicht aus (Lizenz). GeoSphere-Warntexte werden wörtlich zitiert und als Kontext gekennzeichnet, nie als Brandbestätigung. Die Brandursache liefert keine der Quellen; das Dossier sagt „Ursache: keine Quelle".
Fläche und Dynamik
Flächen tragen immer ihre Art: kartiert (EFFIS), „bis N ha" (Detektionsraster als Obergrenze) oder geschätzt mit Intervall. Die Schätzung ist eine log-log-Regression auf 618 Paaren aus EFFIS-Kartierung und FIRMS-Archiv 2020–2026 (604 verwertbar), mit Prädiktionsintervall auf Niveau 0,8, Monotonie-Nebenbedingung und ohne Extrapolation außerhalb des Trainingsbereichs; das FRE-Modell (n = 368) hat eine Leave-one-out-Abdeckung von 0,77. Ein Versuch, aus Detektionen eine eigene Brandkontur zu zeichnen, wurde an denselben 618 Paaren widerlegt — keine Regel schlägt das Detektionsraster. Die Tendenz (wächst, stabil, klingt ab) kommt aus dem FRP-Verlauf derselben Tageshälfte, Wachstum verlangt zusätzlich räumliche Ausdehnung; die „Ausbreitung" ist die Verschiebung des FRP-gewichteten Schwerpunkts zwischen Überflügen (ab drei Überflügen, mehr als eine halbe Pixelbreite) mit Windabgleich als Flag — kein Frontverlauf.
Satellitenbild und Brandnarbe
Für jeden Brand sucht buscosun in der Szenenliste von Element84 (Sentinel-2, Landsat) die letzte wolkenarme Aufnahme (≤ 40 % Wolken) vor dem Brandbeginn und die erste danach, ±30 Tage, und zeigt sie als 30-m-Bild aus NASA GIBS/Worldview. Der 10-m-Viewer liest Sentinel-2-Originale per HTTP-Range direkt aus dem AWS-Bucket: Echtfarbe, SWIR-Falschfarbe (B12/B8A/B04) oder „Verbrannt" als dNBR gegen die Vorher-Szene desselben Granulats, mit den USGS-Klassengrenzen 0,10 / 0,27 / 0,44 / 0,66 — ausdrücklich unkalibriert. Die Szenenklassifikation (SCL) maskiert Wolken in der Vorher-Szene; die ESA-WorldCover-Karte dämpft Acker und Siedlung, weil dort Ernte oder Nutzung wahrscheinlicher ist als Brand. Kleine Brände unter etwa 10–20 ha zeigen im 30-m-Bild oft keine Narbe; die App sagt das.
Grenzen
- Kleine Brände fehlen dem Satelliten systematisch; „keine Hotspots" heißt nicht „keine Brände".
- Die Historie (Monat/Saison) reicht bis 2020 — „langjährig" wird nicht behauptet.
- Der EU-Gefahrenindex ist ein Bild aus dem Kartendienst, kein Zahlenfeld; Österreich hat keine offene amtliche Waldbrandstufe.
- Kein amtliches Warnprodukt. buscosun gibt keine amtlichen Warnungen heraus; maßgeblich bleiben DWD, GeoSphere Austria und MeteoSchweiz.
Häufige Fragen
Ist ein Hotspot ein bestätigter Brand?
Nein. Ein Hotspot ist eine Satellitendetektion. Bestätigt heißt ein Brand nur mit EFFIS-Kartierung, Copernicus-EMS-Aktivierung oder amtlicher Warnung.
Warum erscheinen Stahlwerke als Brände?
Weil der Satellit Wärme sieht, nicht Feuer. buscosun markiert ortsfeste Dauerquellen grau und führt 462 bekannte Standorte mit Anlagenbezug.
Was ist dNBR?
Die Differenz des Normalized Burn Ratio aus Nahinfrarot und kurzwelligem Infrarot vor und nach dem Brand; buscosun nutzt die USGS-Klassengrenzen ohne eigene Kalibrierung.