Waldbrandsaison 2026: Zwischenbilanz für Deutschland, Österreich und die Schweiz

buscosun — Waldbrandsaison im DACH-Raum

Bis zum 22. August 2026 zählt das Brandarchiv von buscosun 4 686 Vegetationsbrand-Ereignisse in Deutschland, Österreich und der Schweiz — fast doppelt so viele wie im Mittel der sechs Vorjahre am gleichen Saisontag und mehr, als jede vollständige Saison seit 2020 am Ende erreicht hat. Die Zahlen sind Satellitendetektionen, keine amtliche Brandstatistik. Was sie zeigen und was nicht.

Die Zahl und was sie zählt

Grundlage ist das eigene Archiv der Satellitendetektionen von buscosun: Wärmepunkte des VIIRS-Sensors auf den Satelliten Suomi-NPP und NOAA-20, wie ihn das NASA-System FIRMS liefert, gebündelt zu Ereignissen. Ein Ereignis entsteht, wenn Detektionen näher als zwei Kilometer beieinanderliegen und höchstens 48 Stunden auseinander; eine längere Pause beginnt ein neues Ereignis. Gezählt wird es an dem Saisontag, an dem es beginnt. Die Saison läuft vom 1. März bis zum 31. Oktober.

Wichtig ist, was nicht mitzählt: Ereignisse auf bekannten Anlagenstandorten. Rund 39 Prozent aller Detektionen im DACH-Raum stammen von Stahlwerken, Zementöfen, Raffinerien oder Müllverbrennungsanlagen, die dauerhaft Wärme abstrahlen. buscosun führt dafür eine eigene Liste von 218 Standorten und hält sie aus der Brandzählung heraus — sonst stünde jedes Industriewerk als Dauerbrand in der Statistik. In der laufenden Saison betrifft das knapp 1 200 der insgesamt 5 881 erfassten Ereignisse; die Bilanz unten nennt die bereinigten 4 686.

Der Vergleich mit den Vorjahren

Am 174. Saisontag, dem 22. August, steht die laufende Saison bei 4 686 Ereignissen im DACH-Raum. Der Mittelwert der sechs Vorjahre liegt am selben Tag bei 2 475,5, die Spanne reicht von 1 544 (2021) bis 4 045 (2025). 2026 liegt damit rund 90 Prozent über dem Mittel der Vorjahre und oberhalb des bisherigen Höchstwerts — und zwar nicht am Saisonende, sondern gut zwei Monate davor.

Saisonam 174. Tag (22.8.)am Saisonende (31.10.)
20202 3382 792
20211 5441 980
20222 7403 171
20232 1672 992
20242 0192 814
20254 0454 528
20264 686läuft noch

Die Referenz sind die sechs vollständigen Saisons seit 2020, kein langjähriges Klimamittel — für ein solches ist die Reihe zu kurz. Zwei Jahre stechen heraus: 2025 war schon außergewöhnlich, 2026 liegt darüber.

Deutschland, Österreich, Schweiz

Die Verteilung ist deutlich: Der weit überwiegende Teil der Ereignisse fällt auf Deutschland, was zunächst schlicht Fläche und Landnutzung spiegelt — große, zusammenhängende Kiefernforste und ehemalige Truppenübungsplätze in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen sind für den Satelliten gut sichtbare Brandflächen, während alpines Gelände kleinteiliger brennt und häufiger unter Wolken oder im Schatten steiler Hänge liegt.

Land2026 am 22.8.Mittel 2020–2025 am selben Tag
Deutschland4 3302 253,3
Österreich245139,2
Schweiz11183,0

Alle drei Länder liegen über ihrem Vorjahresmittel, Deutschland am deutlichsten. Für die Schweiz ist der Abstand am kleinsten und die absolute Zahl so niedrig, dass einzelne Ereignisse den Vergleich merklich verschieben — dort sind Prozentangaben wenig aussagekräftig.

Was diese Daten über die Ursache sagen — und was nicht

Nichts. Eine Detektionszählung sagt, wo und wann ein Satellit Wärme gesehen hat, nicht warum. Ob die hohe Zahl auf eine trockene Witterung, auf mehr Zündungen durch Menschen, auf veränderte Landnutzung oder auf eine Mischung zurückgeht, lässt sich aus diesem Datensatz nicht ableiten — und buscosun behauptet es deshalb nicht. Die Brandursache liefert ohnehin keine der genutzten Quellen; die Dossiers einzelner Brände sagen ausdrücklich „Ursache: keine Quelle".

Wer den meteorologischen Kontext sehen will, findet ihn an anderer Stelle: Der Gefahrenindex zeigt den europäischen Fire Weather Index als Fläche samt Perzentil-Einordnung — also wie außergewöhnlich der heutige Wert für genau diesen Ort und diese Jahreszeit ist. Die Trockenheits-Ansicht zeigt die Bodenfeuchte in zwei Tiefen. Und im Dossier eines Ereignisses steht die Wetterlage am Brandort aus dem Archiv, nicht aus der Vorhersage. Ein einzelner Brand ist damit einzuordnen; die Saisonbilanz ist es nicht.

Detektion, Verdacht, Bestätigung

Eine Detektion ist eine Messung, keine Einsatzmeldung. Der Regelfall ist der unbestätigte Fall — und das ist kein Mangel, sondern die Datenlage: Für aktive Brände gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine offene behördliche Echtzeitquelle. buscosun nennt ein Ereignis nur dann bestätigt, wenn eine Quelle im selben Satz steht: eine Brandflächen-Kartierung durch das europäische Waldbrandsystem EFFIS oder eine Aktivierung des Copernicus-Notfalldienstes EMS. In der laufenden Saison trifft das auf 120 Ereignisse zu, die ausschließlich über EFFIS und nicht über eine Satellitendetektion in die Liste gelangt sind.

Umgekehrt gilt: Ein Standort mit bekannter Dauersignatur wird nicht stillschweigend verworfen. Wächst seine Signatur oder tritt sie aus der bekannten Hülle heraus, führt buscosun ihn als Abweichung und behandelt ihn wie einen Brand — in dieser Saison 37 Fälle. Die Trennung soll Fehlalarme vermeiden, nicht echte Brände verstecken.

Grenzen dieser Bilanz

  • Ereignisse, keine Fläche. Gezählt werden Brandereignisse, nicht Hektar. Ein großer Brand zählt wie ein kleiner. Flächenangaben gibt es nur dort, wo EFFIS kartiert hat.
  • Kleine Brände fehlen systematisch. Das Detektionsraster von VIIRS liegt bei 375 Metern; ein rasch gelöschter Flächenbrand von wenigen Aren erscheint nie. Die Zahlen liegen damit strukturell unter der Wahrheit.
  • Wolken und Überflugzeiten. Ein Brand unter geschlossener Bewölkung oder zwischen zwei Überflügen bleibt unsichtbar. Eine Lücke in der Reihe ist kein Ende des Feuers.
  • Der Rand der laufenden Saison ist vorläufig. Die jüngsten Tage stützen sich auf Echtzeit-Detektionen, die die spätere Standardverarbeitung noch verschieben kann. Die Vorjahre liegen vollständig in der Standardverarbeitung vor.
  • Nur zwei Satelliten. Ausgewertet werden Suomi-NPP und NOAA-20 — für alle Jahre gleich, damit der Vergleich trägt; neuere Sensoren bleiben außen vor.
  • Keine amtliche Statistik. Die Waldbrandstatistik der Länder zählt gemeldete Einsätze und Flächen und kommt zu anderen Zahlen. Beide Wege messen Verschiedenes.

Selbst nachsehen

Die Kurve, die Ereignisliste und die Einzelfälle stehen in der Waldbrand-Historie: Monat oder Saison wählen, Verlauf gegen die Vorjahre lesen, ein Ereignis öffnen und Ort, Zeitraum, Strahlungsleistung, EFFIS-Fläche und Wetterlage nachsehen. Die aktuelle Lage zeigt die Ansicht aktive Brände, die Anlagenstandorte die Ansicht Thermalanomalien. Wie Detektion, Klassifizierung und Brandnarbe zusammenhängen, steht in der Methodik; die Begriffe erklären Fire Weather Index, Waldbrandwarnstufen in DE, AT und CH und Thermalanomalien.

Stand aller Zahlen: 23. August 2026, Saisontag 174. buscosun gibt keine amtlichen Warnungen heraus; maßgeblich bleiben der Deutsche Wetterdienst, GeoSphere Austria, MeteoSchweiz und die zuständigen Forst- und Katastrophenschutzbehörden.

Betroffene Orte

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