Talwind und Bergwind: der Tagesgang der Winde im Gebirge
Talwind ist der tagsüber talaufwärts wehende Wind, Bergwind sein nächtliches Gegenstück talabwärts. Beide entstehen, weil sich Hänge und Talböden schneller erwärmen und abkühlen als die freie Atmosphäre in gleicher Höhe. Der Wechsel geschieht typischerweise am Vormittag und am Abend; für Gleitschirm, Segelflug und Bergsport ist die Umkehrzeit oft wichtiger als die Windstärke.
Wie Talwind und Bergwind entstehen
Am Morgen erwärmt die Sonne die Hänge; die bodennahe Luft steigt als Hangaufwind (anabatisch) auf, und Luft aus dem Vorland strömt nach — der Talwind setzt ein, oft zwischen 9 und 11 Uhr, und erreicht am Nachmittag Stärken von 3 bis 6 m/s, in großen Alpentälern auch mehr. Nach Sonnenuntergang kühlt die Hangluft aus, wird schwerer und fließt als Hangabwind (katabatisch) zu Tal; im Laufe des Abends kehrt sich die Strömung im ganzen Tal um und der Bergwind weht bis zum nächsten Morgen talabwärts. Er ist meist schwächer, aber gleichmäßiger. In Kaltluftseen unter einer Inversion kann er ganz einschlafen.
Was das für die Praxis bedeutet
- Gleitschirm und Drachen: Der Talwind bringt Nachmittagsböen in Talenge und an Kreuzungen; Landeplätze im Tal werden ab Mittag turbulent. Die Umkehr am Morgen ist die ruhigste Phase.
- Segelflug und Thermik: Hangaufwind und Thermik verstärken sich gegenseitig; Talwind kippt Bärte hangwärts.
- Rad und Wandern: Talaufwärts am Nachmittag heißt Gegenwind; talabwärts am Abend ebenso.
- Föhn und Fronten überlagern den Tagesgang und setzen ihn außer Kraft — ein Talwind, der nachts nicht dreht, ist ein Hinweis auf eine großräumige Strömung.
So zeigt es buscosun
In der Atmosphären-Ansicht Fliegen berechnet buscosun für den gesetzten Punkt den Talwind-Tagesgang: Aus dem Geländemodell wird die „bergauf"-Richtung als lokaler Höhengradient über etwa 3 km geschätzt; ist der Reliefunterschied kleiner als 40 m, gilt der Ort als flach und es gibt keine Umkehr. Dann wird der stündliche Bodenwind der nächsten 48 Stunden auf diese Achse projiziert: positive Werte wehen taleinwärts, negative talauswärts. Ein echter Vorzeichenwechsel mit Hysterese von einem Kilometer pro Stunde markiert die Umkehrzeit — die Ansicht nennt, wann der Wind auf talauf und wann auf talab dreht. Ehrlich dazu: Die Achse ist die Hangrichtung aus dem Gelände, kein echter Talachsenverlauf, und die Winddaten stammen aus dem Punktforecast (ICON-D2, Fusion), nicht aus einer Messung. Den Höhenwind über dem Tal zeigt der Querschnitt; Orte wie Innsbruck, Chur oder Zell am Ziller liegen in klassischen Talwindtälern.
Häufige Fragen
Wann dreht der Talwind auf Bergwind?
Meist ein bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang, wenn die Hänge im Schatten auskühlen; morgens dreht es ein bis drei Stunden nach Sonnenaufgang zurück. In engen, tief eingeschnittenen Tälern verschieben sich beide Zeiten, weil die Sonne später kommt und früher geht.
Wie stark wird der Talwind?
In großen Alpentälern wie Inn-, Rhein- oder Rhonetal erreicht er nachmittags 5 bis 8 m/s mit Böen darüber, in kleineren Tälern 2 bis 4 m/s. Er ist am kräftigsten an klaren Sommertagen mit starker Einstrahlung und schwacher Großwetterlage.
Warum zeigt buscosun für meinen Ort keine Umkehr?
Entweder ist das Gelände im Umkreis von rund drei Kilometern flacher als 40 m Höhenunterschied, oder eine großräumige Strömung — Föhn, Front, Gradientwind — überlagert den Tagesgang so, dass die auf die Talachse projizierte Windkomponente ihr Vorzeichen nicht wechselt.
Ist Talwind dasselbe wie Föhn?
Nein. Talwind ist ein thermisch angetriebener Tagesgang, der jeden schönen Tag wiederkehrt. Föhn ist ein Fallwind einer großräumigen Anströmung über den Alpenhauptkamm, der tagelang anhalten kann und den Talwind meist völlig überdeckt.