Gewitterzellen und KONRAD3D: wie der DWD Zellen erkennt und verfolgt
KONRAD3D ist das Zellverfolgungsprodukt des Deutschen Wetterdienstes: Alle fünf Minuten erkennt es im dreidimensionalen Radarkomposit konvektive Zellen, bestimmt Umriss, Schwerpunkt, Höhe, Zuggeschwindigkeit und Hagelsignal und extrapoliert die Zugbahn bis 60 Minuten voraus — mit einer Unsicherheitsellipse je Stützstelle. Es ist eine Radarauswertung, keine amtliche Warnung.
Was KONRAD3D liefert
Das Produkt KONRAD3D („Konvektive Entwicklung in Radarprodukten") erscheint alle fünf Minuten als XML-Datei von rund 0,6 MB mit typischerweise einigen Dutzend Zellen. Je Zelle stehen darin die Referenzzeit (der Messzeitpunkt, nicht der Abruf), der 3D-Schwerpunkt, der Umriss als Polygon, Fläche, Volumen, Echo-Ober- und -Untergrenze, maximale Reflektivität, eine Zuggeschwindigkeit als Betrag, ein Schweregrad von 0 bis 3, ein Hagelkennzeichen sowie Prognosepunkte für +5 bis +60 Minuten mit einer amtlichen Unsicherheitsellipse (Halbachsen in km, Winkel). Alle Koordinaten liegen bereits in geografischen Graden vor. Zwei Eigenheiten muss jede Auswertung kennen: Nicht verfügbare Werte tragen den Sentinel −1 000 000 000, und es gibt kein Richtungsfeld — die Zugrichtung muss aus Schwerpunkt und erstem Prognosepunkt gepeilt werden.
Zugbahn und Trichter richtig lesen
Die Zugbahn ist eine Extrapolation: Sie setzt voraus, dass die Zelle ihre Bewegung beibehält. Genau das tun Gewitter oft nicht — sie bilden sich neu an der Böenfront, verschmelzen oder sterben ab. Deshalb wächst die Unsicherheitsellipse mit der Vorlaufzeit zum Trichter. Eine Zelle mit Schweregrad 3 und Hagelkennzeichen ist ein Hinweis auf eine kräftige Zelle mit Hagel im Radarsignal; ob am Boden Hagel fällt, sagt das Radar nicht sicher. Amtliche Gewitter- und Unwetterwarnungen gibt allein der DWD heraus; KONRAD ist die Auswertung dahinter, nicht die Warnung selbst.
So zeigt es buscosun
Der Layer Zellbahnen auf der Wetterkarte und im Regenradar liest KONRAD3D mit einem eigenen Parser alle fünf Minuten und zeichnet je Zelle Umriss, Schwerpunkt, Zugspur mit Zeitmarken bei 15, 30 und 60 Minuten, Pfeilkopf und den Unsicherheits-Trichter aus den amtlichen Ellipsen; die Farbe folgt dem Schweregrad von Sand über Amber und Terracotta bis Bordeaux. Jenseits von 60 Minuten ist der Layer bewusst aus — lieber nichts als eine unbelegte Verlängerung. Der Steckbrief einer Zelle nennt Fläche, Echo-Obergrenze, Zuggeschwindigkeit und -richtung, ein „Hinweis auf Hagel in der Zelle" und die geschätzte Spitzenböe; die Wortwahl ist bewusst konservativ. Zellen mit Hagelsignal erscheinen zusätzlich im Layer Hagel mit Hagelfläche, Großhagelfläche und Hagel-Obergrenze (siehe Hagel: MESHS und POH). Das Produkt deckt das deutsche Radarnetz ab; für Österreich und die Schweiz gibt es keine gleichartige offene Zellverfolgung.
Häufige Fragen
Wie weit voraus zeigt die Zellbahn?
Bis 60 Minuten, in Stützstellen von 5 Minuten, jede mit einer Unsicherheitsellipse des DWD. buscosun schaltet den Layer jenseits dieses Horizonts ab, weil eine längere Extrapolation nicht durch das Produkt gedeckt wäre.
Woher weiß buscosun, wohin die Zelle zieht?
KONRAD3D enthält nur den Betrag der Zuggeschwindigkeit, kein Richtungsfeld. Die Richtung wird aus dem Schwerpunkt und dem ersten Prognosepunkt gepeilt; die Zeitmarken auf der Spur zeigen, wo die Zelle in 15, 30 und 60 Minuten erwartet wird.
Bedeutet eine Zelle über meinem Ort, dass ich gewarnt werde?
Nein. Der Layer ist eine Radarauswertung, keine Warnung. Amtliche Warnungen gibt ausschließlich der Deutsche Wetterdienst heraus; buscosun zeigt sie im Warn-Layer als wörtliches Zitat und verweist im Zellen-Steckbrief darauf.
Gibt es Zellbahnen auch für Österreich und die Schweiz?
Nicht auf buscosun. KONRAD3D deckt das deutsche Radarnetz ab; für Österreich und die Schweiz existiert kein vergleichbares offenes Zellverfolgungsprodukt mit klarer Lizenz. Das Regenradar zeigt dort Niederschlag aus INCA beziehungsweise rzc, aber keine Zellen.