Hagel im Radar: MESHS, POH und Hagelzellen erklärt
MESHS (Maximum Expected Severe Hail Size) schätzt aus dem Radar die größte zu erwartende Hagelkorngröße in Millimetern, POH (Probability of Hail) die Wahrscheinlichkeit, dass am Boden überhaupt Hagel fällt. Beide Produkte stammen von MeteoSchweiz. In Deutschland kennzeichnet KONRAD3D Zellen mit Hagelsignal; Österreich hat kein vergleichbares offenes Produkt.
Wie das Radar Hagel erkennt
Ein Wetterradar sieht keinen Hagel direkt, sondern die Reflektivität von Niederschlag. Hagel verrät sich durch sehr hohe Reflektivität in großer Höhe: Reichen 45 dBZ oder mehr weit über die Nullgradgrenze hinaus, tragen die Aufwinde große Eiskörner. Daraus leiten sich zwei Klassiker ab. POH nutzt die Differenz zwischen der Höhe des 45-dBZ-Echos und der Nullgradgrenze und gibt eine Wahrscheinlichkeit von 0 bis 100 Prozent. MESHS nutzt die Höhe des 50-dBZ-Echos über der Nullgradgrenze und schätzt daraus die größte zu erwartende Korngröße, ausgegeben ab etwa 2 cm. Beide sind Schätzungen aus dem Volumenradar — Bodenmeldungen bestätigen sie, ersetzen tun sie nichts.
Korngröße und typische Schäden
- ab 2 cm: Blüten, Blätter, Lackschäden, Gewächshausfolien.
- ab 3 cm: Karosseriedellen, beschädigte Rollläden und Photovoltaikmodule.
- ab 4 cm: Dachziegel, Oberlichter, verletzte Tiere im Freien.
- ab 5 cm („Großhagel"): Windschutzscheiben, Fassaden, Verletzungsgefahr für Menschen.
Die Alpennordseite, das Schweizer Mittelland, der Bodenseeraum und das südliche Bayern gehören zu den hagelreichsten Regionen Europas; die Saison läuft von April bis September mit dem Schwerpunkt im Juni und Juli.
So zeigt es buscosun
Der Layer Hagel hält zwei Quellen bewusst getrennt. Für die Schweiz zeichnet er das MeteoSchweiz-Raster MESHS in Stufen von 20, 30, 40, 50 und 60 mm (Eisblau über Türkis und Amber bis Rot und Violett) oder wahlweise POH ab 10 Prozent in Stufen bis 90 — unter 10 Prozent bleibt die Karte transparent, weil das Produkt dort Rauschen wäre. Die CH-Produkte laufen nur in der Hagelsaison vom 1. April bis 30. September; außerhalb sagt der Layer das statt eine leere Fläche zu zeigen. Für Deutschland zeichnet er die KONRAD3D-Zellen mit Hagelkennzeichen als Fläche (siehe Zellbahnen) mit Hagelfläche, Großhagelfläche und Hagel-Obergrenze in Kilometern; die Kopfzeile lautet „Radar erkennt Hagel in der Zelle" beziehungsweise „Hinweis auf Großhagel" — nie „es hagelt". Für Österreich gibt es derzeit kein offenes Hagelprodukt mit klarer Lizenz; die Fläche bleibt dort leer, und das steht in der Legende. Amtliche Unwetterwarnungen gibt allein der Wetterdienst heraus.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen MESHS und POH?
POH sagt, wie wahrscheinlich Hagel am Boden ist — eine Prozentzahl. MESHS sagt, wie groß die Körner höchstens werden dürften — ein Wert in Millimetern ab etwa 2 cm. Für die Frage „Auto in die Garage?" ist MESHS die relevantere Größe, POH für „kommt überhaupt etwas?".
Warum zeigt der Hagel-Layer im Winter nichts für die Schweiz?
Weil MeteoSchweiz MESHS und POH nur in der Hagelsaison vom 1. April bis 30. September produziert. buscosun weist darauf hin, statt eine leere Karte als „kein Hagel" auszugeben.
Wie zuverlässig ist die Korngröße aus dem Radar?
MESHS ist eine Obergrenze aus der Echohöhe, keine Messung am Boden. Studien der MeteoSchweiz zeigen gute Trefferquoten für die Frage „Hagel ja/nein", die Korngröße streut jedoch deutlich. Bodenmeldungen und Versicherungsdaten bleiben die Referenz.
Gibt es Hageldaten für Österreich?
Nicht als offenes Produkt mit klarer Lizenz, das buscosun einbinden könnte. Die Fläche bleibt dort leer und die Legende sagt das. Amtliche Gewitterwarnungen für Österreich veröffentlicht GeoSphere Austria.