Klimastreifen: ein Streifen pro Jahr, gefärbt nach Abweichung
Klimastreifen (Warming Stripes) zeigen jedes Jahr als senkrechten Farbstreifen: blau für kälter, rot für wärmer als ein Bezugswert. Die 2018 von Ed Hawkins eingeführte Grafik verzichtet auf Achsen und Zahlen und macht den Trend auf einen Blick lesbar. Die Farbe hängt vom gewählten Bezug ab — meist eine Referenzperiode wie 1961–1990 oder das Mittel des gezeigten Zeitraums.
Wie die Streifen entstehen
Grundlage ist eine Jahresreihe — meist die Jahresmitteltemperatur einer Station, einer Region oder der Welt. Für jedes Jahr wird die Abweichung vom Bezugswert gebildet und auf eine zweifarbige, divergierende Skala gelegt: kräftiges Blau für die kältesten, kräftiges Rot für die wärmsten Jahre. Weil Skala und Bezug frei wählbar sind, sind Streifen verschiedener Quellen nur vergleichbar, wenn Referenzperiode und Farbspanne genannt sind. Die Originalstreifen von Hawkins nutzen die Periode 1971–2000 als Nullpunkt und spannen die Farben über ±2,6 Standardabweichungen.
Was man ablesen kann — und was nicht
- Den Trend: In Mitteleuropa dominieren seit den 1990er-Jahren rote Streifen; die letzten Jahre sind fast durchgehend die wärmsten der Reihe.
- Einzelne Ausreißer: kalte Jahre wie 1996 oder 2010 bleiben als blaue Streifen sichtbar.
- Nicht ablesbar: Absolutwerte, Jahreszeiten, Niederschlag. Ein Streifen fasst 365 Tage in eine Farbe.
- Vorsicht bei Stationswechseln: Verlegungen, neue Messgeräte oder Lücken erzeugen Sprünge, die nichts mit dem Klima zu tun haben.
So zeigt es buscosun
Im Wetterarchiv (Funktion Historie) ist „Streifen" die erste Darstellung: je Jahr ein Streifen, eingefärbt nach der Abweichung vom Mittel der gezeigten Jahre; die Farbspanne wird aus den Anomalien der Reihe selbst bestimmt, damit auch kurze Reihen lesbar bleiben. Wer den klassischen Bezug will, wechselt in die Darstellung „Abweichung vom Normal" — dort stehen die drei WMO-Referenzperioden 1961–1990, 1971–2000 und 1991–2020 zur Wahl, und die Grafik nennt den Normalwert. Die Daten stammen aus Stationsreihen über Meteostat (DWD, GeoSphere, MeteoSchweiz); der Anteil an Tagen, an denen der Anbieter Modellwerte statt Messungen eingefüllt hat, wird als Prozentzahl ausgewiesen und nicht als Messung gezählt. Ein Klick auf einen Streifen öffnet das Tagesband des Jahres; die Streifen lassen sich als Bild und CSV exportieren. Für Ortsseiten wie Berlin oder Wien ist die nächste Station verlinkt.
Häufige Fragen
Warum sehen Klimastreifen verschiedener Anbieter unterschiedlich aus?
Weil Bezugswert und Farbspanne frei gewählt werden. Ein Anbieter färbt gegen 1961–1990, ein anderer gegen das Reihenmittel; einer spannt die Farben über die Extremjahre, ein anderer über Standardabweichungen. Derselbe Datensatz kann so deutlich anders wirken.
Welche Referenzperiode ist die richtige?
Die WMO empfiehlt 1991–2020 als aktuelle Normalperiode und 1961–1990 als feste Referenz für die Bewertung des Klimawandels. buscosun bietet beide sowie 1971–2000 an und zeigt in den Streifen selbst das Mittel des gewählten Zeitraums.
Kann ich Klimastreifen für meinen Ort erstellen?
Ja, im Wetterarchiv von buscosun: Ort wählen, Variable und Zeitraum einstellen, Darstellung „Streifen". Die Grafik lässt sich als Bild und die Daten als CSV exportieren; Quelle und Stationsdistanz stehen dabei.
Zeigen Klimastreifen auch Niederschlag?
Grundsätzlich lässt sich jede Jahresreihe so darstellen. buscosun färbt Niederschlag ebenfalls divergierend um das Reihenmittel, kennzeichnet aber, dass die Farbrichtung dort „mehr" und „weniger" bedeutet, nicht „wärmer" und „kälter".