Seegang, Wellenhöhe, Windsee und Dünung: die Welle richtig lesen
Die signifikante Wellenhöhe ist der Mittelwert des höchsten Drittels aller Wellen und entspricht etwa dem, was ein geübter Beobachter schätzt; einzelne Wellen werden fast doppelt so hoch. Seegang setzt sich aus Windsee, die der Wind vor Ort erzeugt, und Dünung zusammen, die aus einem entfernten Windfeld einläuft. Die Periode zeigt, wie steil die See ist.
Signifikante Wellenhöhe: was die Zahl bedeutet
Wellen sind nie gleich hoch. Die signifikante Wellenhöhe (Hs) fasst sie zu einer Zahl zusammen: Sie ist der Mittelwert des höchsten Drittels der Wellen in einem Zeitraum und liegt nahe an dem, was ein erfahrener Beobachter vom Boot aus schätzt. Wellenmodelle wie das Küstenmodell des Deutschen Wetterdienstes geben genau diese Größe aus.
Die Zahl ist ein Mittel, keine Obergrenze. Unter rund tausend Wellen ist die höchste nach der Rayleigh-Verteilung etwa 1,9-mal so hoch wie die signifikante Wellenhöhe; bei 1,5 Metern sind also einzelne Wellen um 3 Meter zu erwarten, wenn man lange genug draußen ist. Das gilt für offenes, tiefes Wasser; in flachem Wasser begrenzen Tiefe und Brechen die Höhe.
Windsee und Dünung
Windsee entsteht durch den Wind, der gerade über das Wasser weht. Sie wächst mit der Windstärke, mit der Zeit, die der Wind schon weht, und mit der Strecke, über die er auf das Wasser wirkt (Wirklänge oder Fetch). Windsee ist kurz, unregelmäßig und läuft meist mit dem Wind.
Dünung sind Wellen, die ein entferntes Windfeld erzeugt hat und die ohne den Wind weiterlaufen. Sie ist länger und gleichmäßiger, kann bei Flaute ankommen und aus einer anderen Richtung als der Wind vor Ort. In der Nordsee läuft Dünung aus der offenen See regelmäßig an die Küste; in der Ostsee mit ihren kurzen Wirklängen und dem flachen Wasser ist sie selten, dort dominiert kurze, steile Windsee. Der Gesamtseegang ist die Überlagerung beider.
Periode und Steilheit
Die Periode ist die Zeit in Sekunden, die zwischen zwei Wellenkämmen vergeht. In tiefem Wasser gehört zu ihr eine Wellenlänge von rund 1,56 × Periode² Metern: 4 Sekunden entsprechen etwa 25 Metern, 8 Sekunden etwa 100 Metern. Bei gleicher Höhe ist eine Welle mit kurzer Periode deshalb viel steiler, eine 4-Sekunden-See etwa viermal so steil wie eine 8-Sekunden-Dünung.
Steilheit macht den Unterschied zwischen „ein Meter, angenehm" und „ein Meter, ruppig". Für kleine Boote, SUP und Kajak zählt sie oft mehr als die Höhe allein.
Flaches Wasser, Watt und Strömung
Über Sandbänken und vor dem Strand wird das Wasser flacher: Die Wellen verlangsamen sich, werden steiler und brechen. Läuft eine Gezeitenströmung gegen den Wind, wird die See kurz und steil — „Wind gegen Strom". Im Wattenmeer begrenzt die Wassertiefe die Wellenhöhe, und bei Niedrigwasser fallen ganze Flächen trocken.
Ein Wellenmodell mit rund 900 Metern Maschenweite kennt einzelne Sandbänke, Buhnen und Molen nicht. In Häfen, Förden und Buchten kann der Seegang deshalb deutlich vom Modellwert der nächsten Zelle abweichen.
So zeigt es buscosun
Das Seewetter für Nord- und Ostsee zeigt die signifikante Wellenhöhe, Windsee, Dünung und Periode als Karte und an jedem Spot als Stundenband, aus dem Küstenwellenmodell CWAM des DWD (rund 900 Meter, Läufe um 00 und 12 UTC, stündlich bis 78 Stunden). Jeder Spot hat eine eigene Seite, etwa Sylt Westerland, St. Peter-Ording, Laboe oder Warnemünde. Wind und Böen kommen aus buscosun Fusion.
Fällt die Modellzelle am Spot trocken, steht dort „kein Seegang" statt 0 Meter, damit kein ruhiges Wasser vorgetäuscht wird. Die Seite bewertet Wellen gegen Grenzen, die du je Profil einstellst; eine Sicherheitsbewertung oder Freigabe ist das nicht.
Häufige Fragen
Wie hoch wird die höchste Welle bei 1,5 Metern signifikanter Wellenhöhe?
Unter rund tausend Wellen etwa 1,9-mal so hoch, also knapp 3 Meter. Das ist eine statistische Faustregel für offenes, tiefes Wasser; in flachem Wasser begrenzen Tiefe und Brechen die Höhe.
Warum fühlt sich ein Meter in der Ostsee rauer an als in der Nordsee?
Weil die Ostsee meist kurze Perioden hat. Bei gleicher Höhe ist eine Welle mit 4 Sekunden Periode etwa viermal so steil wie eine Dünung mit 8 Sekunden; lange Dünung ist in der Ostsee selten.
Was bedeutet „Seegang 2 Meter" im Seewetterbericht?
Der Bericht nennt den erwarteten Seegang für ein ganzes Seegebiet in Metern, in Stufen von einem halben Meter. An einem einzelnen Strand kann er je nach Lage, Wassertiefe und Windrichtung deutlich niedriger oder höher sein.
Warum zeigt buscosun manchmal „kein Seegang"?
Wenn die Modellzelle am Spot trockenfällt, etwa im Watt bei Niedrigwasser, gibt es dort keine Welle zu rechnen. Statt 0 Meter steht dann „kein Seegang", damit kein ruhiges Wasser vorgetäuscht wird.